Die Geschichte des Kaffees – vom Ziegenfutter zum Lifestyle Getränk

Die Geschichte des Kaffees – vom Ziegenfutter zum Lifestyle Getränk

Kaffee ist heutzutage aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Er gehört in allen Lebenslagen dazu. Die erste Tasse frisch gebrühter Kaffee am Morgen hebt die Stimmung und ist für viele der beste Start in den neuen Tag. Und er begleitet uns oftmals den ganzen Tag, bis wir – nach einem letzten Schluck des köstlichen Getränks – ins Land der süßen Träume entschwinden.

Symbolbild zum Artikel "Geschichte des Kaffees"

Kaffee ist viel mehr als einfach nur ein Getränk. Für die einen macht seine anregende Wirkung das A und O des Kaffees aus, andere schätzen ihn wegen seines unverwechselbaren Geschmacks und seinem besonderen Aroma als köstliches Genussmittel. Sich zum „Kaffeetrinken“ zu treffen, schafft für Jung und Alt eine angenehme Atmosphäre, um sich bei einem leckeren Milchkaffee, einem verführerischen Latte macchiato, einem Cappuccino oder einem kräftigen Espresso miteinander auszutauschen. Der schwarze Kaffee verbindet Generationen und sorgt jederzeit für ein entspanntes Ambiente.

Der Kaffee ist zum Allrounder geworden, wird er doch als „Coffee to go“ ebenso gerne im Pappbecher wie auch im Kreise der Lieben aus feinstem Porzellan an einer festlich gedeckten Kaffeetafel genossen.

Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, wo der Kaffee seinen Anfang nahm, welche Geschichte ihn geprägt hat und welche doch oftmals wechselhafte Bedeutung dem Kaffee im Wandel der Zeit zugesprochen wurde? Lassen Sie uns zurückblicken in die Zeit, als die belebende Wirkung des Kaffees ganz zufällig entdeckt wurde. Begleiten Sie den Kaffee auf dem langen Weg seiner Entwicklung, den er bis heute genommen hat.

 

Was ist Kaffee?

Beim Kaffee, dem Lieblingsgetränk der Deutschen (noch vor Bier!), handelt es sich um ein dunkles, in der Regel koffeinhaltiges, heißes Getränk.

Die Grundsubstanz sind geröstete und gemahlene Kaffeebohnen, die mit heißem Wasser überbrüht werden. Röst- und Mahlgrad sind abhängig von der Zubereitungsart. In der Kaffeebohne (die genau genommen keine Bohne ist – dazu gleich mehr), ist das Vitamin Niacin enthalten.

Früchte der KaffeepflanzeGewonnen werden die Kaffeebohnen aus Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten der Rubiaceae. Coffea canephora (Robusta) und vor allem die Coffea arabica (Arabica) sind heute die wichtigsten Kaffeearten.

Die unterschiedlichen Qualitätsstufen richten sich nach Art der Kaffeepflanze, der Kaffeebohnensorte und dem Anbaugebiet.

Reiner Arabica genießt eine hohe Qualitätsstufe, Robusta-Bohnen werden im Vergleich dazu eher als minderwertig eingestuft. Eigentlich ist das nicht ganz gerechtfertigt, da die beiden Bohnensorten nur verschiedene Eigenschaften haben und unterschiedlichen Preisbildungsfaktoren unterliegen.

Botanisch gesehen ist die Kaffeebohne– wie bereits angedeutet – gar keine Bohne. Der Begriff basiert auf einer volksetymologischen Lehnübersetzung (arab.: qahwa = Kaffee und arab. bunn = Beere).

Die roten Früchte werden als Kaffeekirschen (Steinfrüchte) bezeichnet. Eine Frucht besteht aus zwei Steinkernen, die ihre abgeflachten Seiten zueinander ausgerichtet haben. Die Samen der Kaffeepflanze sind also die eigentlichen Kaffeebohnen. In ihrem Nährgewebe befindet sich auch das Coffein (0,8 – 2,5 Prozent).

Alle Kaffeesorten gehören zur Gattung des Coffea (Familie der Rubiaceae = Röte- und Krappgewächse).

 

Welche Legenden sich um den Kaffee ranken

Der Tee machte den Anfang, als er und seine heilenden Eigenschaften – gut 1000 Jahre vor dem Kaffee – mehr oder weniger zufällig entdeckt wurden. Was es mit der Entdeckung der belebenden Wirkung des Kaffees auf sich hat, davon sind einige Legenden überliefert. Eine davon ist die Legende der Ziegenherde, die selbst mitten in der Nacht noch fröhlich umhersprang und ununterbrochen meckerte und so ihre Hüter nicht schlafen konnten.

Irgendwann fanden die Schäfer heraus, dass die Ziegen grüne und rote Früchte eines ganz bestimmten Strauches naschten. Es war der Kaffeestrauch, von dem die Tiere fraßen. Die Mönche des nahegelegenen Klosters entdeckten die muntermachende Wirkung der Kaffeefrüchte, als sie sie zu Pulver zerstampften und mit heißem Wasser vermengten.

Der Kaffee war geboren – und ein grandioser Siegeszug nahm seinen Anfang.

 

Wie alles begann – Der Wein des Orients

Bereits im 11. Jahrhundert wurde Kaffee wohl zum ersten Mal als Heilmittel schriftlich erwähnt. Historiker gehen davon aus, dass es sich um die Schriften des Philosophen und Heilkundigen Ibn Sina handelt, in denen Kaffee höchstwahrscheinlich unter der Bezeichnung „Bunchum“ zum ersten Mal namentlich Erwähnung fand. Ibn Sina soll die stimulierende Wirkung der Kaffeepflanze bekannt gewesen sein. Der Begriff „Bunc“ wurde ein halbes Jahrtausend später für die Kaffeebohne verwendet. Nicht ganz klar ist allerdings, ob dieses Wort sich auch tatsächlich auf die Kaffeepflanze bezieht, die der Heilkundige Ibn Sina damals meinte.

Die Kaffeekultur hielt in Arabien erst Mitte des 15. Jahrhunderts Einzug. Ob der Kaffee zu dieser Zeit auch schon wegen seiner heilenden Wirkung getrunken wurde, ist nicht ganz klar – als reines Genussmittel erfreute er sich jedoch schon bald großer Beliebtheit. So sehr, dass im Jahre 1454 ein Scheich mit dem klangvollen Namen Gemaleddin im Jemen damit begann, Samen und Pflanzen aus Abessinien zu kultivieren.

Der Kaffee eroberte die gesamte arabische Welt. Über die von vielen Reisenden und Pilgern besuchten Städte Mekka und Medina erfährt der Kaffee insbesondere aus religiösen Gründen heraus eine rasante Verbreitung.

Das hatte zurfolge, dass sich recht bald die Frage nach dessen Legitimation (wie auch beim etwas weniger anregenden Kakao) stellte. Auch der Streit um die Beantwortung der Frage hatte religiöse Gründe. Den Muslimen war en alkoholische Getränke strengstens untersagt. Also wandten sie sich dem Kaffee zu. Allerdings stand der Kaffee aufgrund seiner anregenden Wirkung gleichfalls im Gegensatz zu den asketischen Prinzipien der Muslime.

Nichtsdestotrotz haben sich die Kaffeetrinker letzten Endes durchsetzen können. Vielleicht lag es auch daran, dass die Adeligen den wohlig duftenden und köstlich schmeckenden Kaffee mittlerweile sehr zu schätzten wussten – und auf diesen Genuss einfach nicht mehr verzichten wollten.

Für die weiträumige Verbreitung des Kaffees sorgten im 16. Jahrhundert vor allem die Türken. Da sie im Jahre 1517 Medina und Mekka einnahmen und zuvor Ländereien in Ägypten, dem Jemen und in Syrien erobert hatten, waren alle wichtigen Anbaugebiete für Kaffee fest in türkischer Hand.

Auch viele Jahrhunderte später wird der Kaffee immer wieder gerne mit den Türken in Verbindung gebracht. Auch die Bezeichnung „Türkentrank“ für Kaffee stammt aus dieser Zeit.

Dieser „Türkentrank“ eroberte alle Teile des osmanischen Herrschaftsgebietes bis hinüber nach Südosteuropa. Es dauerte nicht sehr lange, bis öffentliche Kaffeehäuser das Stadtbild viele Orte und Städte prägten. Hier vereinten sich Kaffeekonsum, Unterhaltung und Kultur in wunderbarer Art und Weise. Im Jahre 1554 wurde im heutigen Istanbul (damals Konstantinopel) das weltweit erste Kaffeehaus eröffnet.

 

Heimat, Name und Verbreitung des Kaffees

Seinen Ursprung hat der Kaffee im Hochland von Äthiopien. Dort ist seine Heimat, in der die grünen Bohnen zunächst von umherziehenden Nomadenstämmen gekaut wurden. Ab dem 9. Jahrhundert wurde aus den Bohnen ein Getränk gezaubert.

Bereits im 11. Jahrhundert wurde Kaffee von den Arabern angebaut. Sie pflanzten die Kaffeepflanze am Roten Meer an den künstlich bewässerten Hängen entlang der Küste. Das Verfahren der Röstung wurde im Jemen erstmals auf Steinplatten praktiziert.

Doch warum heißt Kaffee eigentlich Kaffee?

Das Wort ist eine Ableitung vom altarabischen „qahwah“, womit im eigentlichen Sinne der Wein gemeint war, dessen Genuss dem gläubigen Moslem – wie schon erwähnt – jedoch verboten ist.

Von den Türken wird Kaffee „Kahweh“ genannt, der schon bald aufgrund seiner anregenden und berauschenden Wirkung zum „Wein des Islam“ wird. Doch von den Arabern übernahmen die Türken nicht nur die Lehre des Propheten. Auch deren liebstes Getränk machten sie sich zu eigen. Erst durch die Türken konnte sich die hohe Kunst der Kaffeezubereitung entwickeln.

Lange Zeit wurde der Anbau von Kaffee von den Arabern streng geheim gehalten, da sie ihre Monopolstellung selbstverständlich erhalten wollten. Um zu verhindern, dass Handelspartner selbst Kaffee anbauten, wurden die rohen Bohnen mit heißem Wasser übergossen – eine Keimung war nun nicht mehr möglich.

Doch im 16./17. Jahrhundert kam es wie es komme musste. Die Niederländer stahlen Kaffeepflanzen, um Kaffee in ihren Kolonien anzubauen. 1658 begann der Kaffeeanbau in Sri Lanka, gefolgt von den niederländischen Inselkololonien Java, Bali, Sumatra, Celebes und Timor.

Später verbreiteten die Niederländer den Kaffeeanbau auch in ihren westlichen Kolonien. Im Jahre 1718 begann der Kaffeeanbau unter der Flagge der Niederlande sogar auf dem amerikanischen Kontinent, genauer gesagt in Niederländisch-Guayana (Surinam). Den Holländern sei also dank, dass der Kaffee auch in der westlichen Welt bekannt wurde (17. Jahrhundert).

Die Niederländer waren also die Ersten, die die Kaffeepflanze auch anderswo anbauten. Die Gewinnmöglichkeiten waren gigantisch. Aber nicht nur die Niederlande, auch Portugal und Spanien kamen in den Besitz der wertvollen Kaffeepflanze. In ihren Kolonien, die hervorragende klimatische Bedingungen für den Kaffeeanbau zu bieten hatten, begann auch dort der Anbau und infolgedessen der Handel mit Kaffee zu blühen. Heute ist Kaffee nach Erdöl weltweit das zweitwichtigste Handelsgut der Erde.

Haben Sie gewusst, dass der Kaffeekonsum Deutschlands der drittgrößte weltweit ist?

 

Der Kaffee erobert Europa

Mit der Eröffnung des ersten Kaffeehauses in Venedig im Jahre 1540 war der Siegeszug der Kaffeebohne in Europa nicht mehr zu stoppen. Zwischen 1650 und 1750, also in gerade einmal in einem Zeitraum von 100 Jahren, entwickelte sich der alkoholfreie „Wein des Islam“ zu einer in ganz Mitteleuropa und durch alle Gesellschaftsschichten hindurch heißgeliebten Köstlichkeit.

Doch wie kam es dazu?

Aus der Türkei brachten vor allem Reisende aus Nordwesteuropa Erzählungen über das wunderbare Getränk „Kaffee“ in ihre Heimatländer. Der Mediziner Leonhart Rauwolf aus Augsburg erzählt in seinem 1582 verfassten Reisebericht ausführlich von dem Getränk, welches er auf seiner Reise durch den Vorderorient in Aleppo zum ersten Mal getrunken hat.

Er beschrieb es als gut und schwarz wie Tinte. Er erwähnte, dass der Kaffee wohl auch dem Magen gut täte. Bereits zehn Jahre später fand durch Prosper Alpinus, einen italienischen Arzt und Botaniker, die Beschreibung Rauwolfs in Form einer detaillierten Beschreibung der Kaffeefrucht und –pflanze seine Fortsetzung.

Untermauert wurde der Bericht „De Plantis Aegypti Liber“, den Alpinus im Übrigen in Ägypten verfasste, durch seine detaillierten Zeichnungen.

Von nun an wurden zunächst nur kleinste Mengen Kaffeebohnen als Souvenir aus Arabien nach Europa gebracht. Daraus entwickelte sich schon bald ein blühender Handel, der den Kaffee säckeweise in die Häfen von London, Venedig, Hamburg und Amsterdam brachte.

Überall in Europa wurde der Kaffee zunächst das Lieblingsgetränk der Upperclass. Das war Anfang des 17. Jahrhunderts. 1645 wurde das erste westeuropäische Kaffeehaus eröffnet: am Markusplatz in Venedig. Fünf Jahre später zog Oxford nach, gefolgt von London (1652), Marseille (1659), Amsterdam und Den Haag (1663) und Paris im Jahre 1672.

Eines der ersten Kaffeehäuser Wiens wurde um 1685 von Johannes Theodat, einem armenischer Staatsbürger, gegründet.

In Deutschland wurde das erste Kaffeehaus 1673 in Bremen eröffnet, vier Jahre später in Hamburg. Insbesondere in Wien war das Kaffeehaus ein Kulturtreffpunkt, in dem sich viele Künstler aus den Bereichen Kunst und Literatur zum Kaffee trafen. Wer es wünschte, erhielt einen mit Sahne oder Milch und Zucker verfeinerten Kaffee, zu dem auch ein Glas Wasser gereicht wurde.

Das Verrückte an dieser Entwicklung war, dass mit der Verbreitung des Kaffees die Ernüchterung der Menschen einherging. Die seit dem Mittelalter zum Frühstück übliche Biersuppe wurde durch den morgendlichen Kaffee abgelöst. Auch andere, dem verseuchten und Krankheiten auslösende Trinkwasser vorgezogene Getränke wie Wein oder andere alkoholische Getränke wurden mehr und mehr vom Kaffee verdrängt. Die Biersuppe war Geschichte!

Das hatte sogar Vorteile für die Wirtschaft, da beispielsweise die Industriearbeiter Englands nunmehr nüchtern zur Arbeit erschienen und dadurch leistungsfähiger waren. Kaffeeautomaten oder Kaffeemaschinen gehören heute sowohl in Büros als auch in Produktionsanlagen zum Standard.

Und was geschah in Frankreich?

Die Reformatoren stilisierten den Kaffee zum Symbol der Aufklärung hoch. Der Wein wurde verflucht, da man davon ausging, dass das Volk nach dessen Genuss keinen klaren Gedanken mehr fassen könne. Ob der Kaffeegenuss auch der Auslöser für den Sturm auf die Bastille im Jahre 1789 war, durch den sich das Volk endgültig aus der Umklammerung des Adels befreien wollte, ist hingegen nicht klar belegt.

Überliefert ist allerdings, dass im Juli 1789 der Journalist Camille Desmoulins in Paris in einem Kaffeehaus (Palais Royal Café) auf einem Tisch sprang und die Anwesenden dazu aufforderte, den Kampf gegen die Aristokraten für „Liberté et Égalité“ (Freiheit und Gleichheit) zu eröffnen.

Heutzutage sind Kaffeehäuser, Coffeeshops und Cafés europaweit keine politischen Treffpunkte mehr. Heute findet dort der private Austausch mit Freunden, Kollegen oder auch der Familie statt.

 

Kaffee nur für Adelige und Betuchte

Auch in Westeuropa war Kaffee zunächst den Adeligen und Reichen vorbehalten. Das gemeine Volk konnte sich das Luxusgut „Kaffee“ einfach nicht leisten. Deshalb blieb es zunächst dem Bier treu. Erst als der Kaffee günstiger wurde, konnte er sich auch auf zweiter Ebene behaupten.

Nun waren die Kaffeehäuser nicht mehr nur Treffpunkt für die High Society. Angehörige aller Schichten trafen sich dort, um sich bei einem Kaffee über politische oder auch wirtschaftliche Thenen auszutauschen. Wirklich begeistert war die Oberschicht von dieser neuesten Entwicklung allerdings nicht.

Friedrich der Große versuchte, dem öffentlichen Kaffeegenuss durch Androhung und Vollzug von Strafe im Jahr 1768 Einhalt zu gebieten. Der König setzte sogar sogenannte Kaffeeschnüffler ein, die anhand des typischen Geruchs von geröstetem Kaffee ungehorsame Bürger enttarnen sollten.

Allerdings waren diese Methoden nicht von Erfolg gekrönt, da sich der Kaffee bereits zu einem äußerst wichtigen Handelsgut entwickelt hatte. Stattdessen wurde durch die Einführung von Zöllen und Steuern zusätzlich Geld in die Kassen gespült – ein äußerst lukrativer Schachzug.

Im 18. Jahrhundert wurde der Kaffee in der feinen Gesellschaft ganz anders konsumiert als heute. Damit er schneller abkühlen konnte war es üblich, den Kaffee aus der Untertasse zu schlürfen. Heißer Kaffee löste die Schminke der High Society, dem musste auf vornehme Art und Weise Abhilfe geschaffen werden. Das gemeine Volk hingegeben (Arbeiter, Bauern) löffelten ihren Kaffee aus Suppentellern. Ganz anders heute: Die Gesellschaft von heute verleiht durch Designer-Kaffeemaschinen und Coffee-to-go ihrem modernen Lifestyle auf besondere Art und Weise Ausdruck.

 

Der Kaffee erobert die Welt, der Handel blüht

Der Siegeszug des Kaffees kam nun weltweit in Gang – sei es durch Schmuggel oder durch eigene Verschiffungen. Mit den Engländern kam der Kaffee 1730 nach Jamaika. Die spanischen Jesuiten brachten ihn 1740 auf die Philippinen.

In heute wichtigen Anbaugebieten wie Mexiko, Kolumbien, Guatemala begann der Anbau zwischen 1750 und 1790. Der in Deutschland so beliebte ostafrikanische Kaffee wird dort seit Ende des 19. Jahrhunderts kultiviert.

Über 70 kaffeeproduzierende Länder gibt es heute weltweit.

 

Das dunkle Kapitel des Kaffees

Während des 18. Jahrhunderts wurde Kaffee auf der ganzen Welt erfolgreich angebaut, im heute wichtigsten Anbaugebiet Brasilien vermutlich seit 1726. Die Handelsgeschäfte florierten und machten die Plantagenbesitzer zu reichen Leuten.

Mittlerweile hatte sich der Handel so ausgeweitet, dass nicht nur Europa, sondern auch Nordamerika mit dem köstlichen Kaffee versorgt werden wollte.

Der Absatzmarkt war riesig – doch leider begann mit diesem Erfolg auch die Geschichte der Ausbeutung der Plantagenarbeiter. Afrikanische Sklaven wurden aus ihrer Heimat entführt und in der ganzen Welt auf die verschiedenen Anbaugebiete verteilt.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren katastrophal und menschenunwürdig. Viele Sklaven überlebten schon die Reise in ihr Bestimmungsland nicht. Doch es schien unmöglich, Anbau und den Verkauf des Kaffees, der sich als äußerst lukrativ erwies, ohne die Sklaverei zu bewerkstelligen.

Das Schlimme daran war, dass niemand dem Kaffee in der Tasse ansah, unter welch jämmerlichen Bedingungen die Kaffeepflanze angebaut und geerntet wurde.

Der Kaffee entwickelte sich zu einem internationalen Handelsgut mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Aufgrund der hohen Anbaumenge wurde der Kaffee endlich für jedermann erschwinglich. Der Kaffeeboom kubelte in vielen anderen Bereichen die Industrie zusätzlich an.

Nicht nur die Staaten verdienten mit Steuern und Zolleinnahmen kräftig mit. Es entwickelten sich viele weitere Industriezweige (Hersteller von Mühlen, Aufgusszubehör und Geschirr).

In dieser Zeit wurde auch ein Konkurrenzprodukt zum Kaffee entwickelt, der nicht nur eine kostengünstige Alternative bot, sondern auch eine Möglichkeit, staatliches Kaffeemonopol und Röstung zu umgehen. Der Zichorienkaffee war geboren.

Die erste Fabrik öffnete 1769 in Braunschweig ihre Pforten. Wurde durch Steuern oder Kriege der Kaffeekonsum verhindert, bot der neu entwickelte Kontinentalkaffee einen akzeptablen Ersatz.

 

Endlich! Kaffee für jedermann

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich der Kaffee als Volksgetränk etabliert. Zum Frühstück eine Tasse Kaffee und auch gerne einmal zum Mittag – das wurde zur Selbstverständlichkeit. Wer sich eine Tasse Kaffee nicht einfach so leisten konnte, fand für den Kaffee eine seltsam anmutende Verwendung. Es wurde aus dem Kaffee eine Suppe bereitet, die mit Brotbrocken verspeist wurde. Nun hatte die „Mahlzeit“ der Armen sowohl eine sättigende als auch anregende Wirkung.

Im Jahre 1901 wurde eine neue Variante des industrialiserten Kaffes auf den Markt gebracht. Mit der Erfindung des löslichen Kaffees des Japaners Dr. Sartori Kato ließ sich der Konsum des Kaffees nicht nur vereinfachen, sondern auch beschleunigen. 1938 wurde der lösliche Kaffee durch das Unternehmen Nestlé als Instantkaffee, wie wir ihn auch heute noch kennen, vermarktet.

Unser Denker und Dichter Johann Wolfgang von Goethe entdeckte indirekt das Koffeein. Er empfahl seinem Bekannten und Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge, die Kaffeebohnen zu destilieren.

Bei diesem Vorgang wurde das Koffein entdeckt und der Kaffee durch dieses spezielle Verfahren von seiner nützlichen, aber auch störenden Nebenwirkung befreit.

Im Jahre 1705 vermarketete Ludwig Roselius erstmals seinen „Kaffee HAG“, einen entkoffeinierten Kaffee. Deutschland ist heute Weltmeister auf dem Gebiet der Entkoffeinierung. Ein Großteil dieses Kaffees wird in alle Welt exportiert.

 

Die Bedeutung des Kaffees heute

Nach Erdöl ist der Kaffee heute zweitwichtigstes Handelsgut weltweit.

Die rasante Entwicklung des Weltrohkaffeeverbrauchs ist unfassbar.

Nach 600.000 Säcken im Jahre 1750 waren es innerhalb der folgenden zweihundert Jahre bereits 36 Millionen Säcke Kaffee.

Fünfzig Jahre später, im Jahre 2000, stieg der Kaffeeverbrauch weltweit auf 104 Millionen Säcke. Was für eine Entwicklung!

Heute ist der  wortwörtlich in aller Munde.

Seinen Namen verdankt er den Arabern, insbesondere dem heutigen Jemen. Dort wurde bereits im 15. Jahrhundert mit der Kultivierung des Kaffees – also dem Anbau auf Plantagen – begonnen.

Schnell entwickelte sich aufgrund der hohen Nachfrage ein florierender und lukrativer Handel. Bis Anfang des 17. Jahrhunderts hatten zunächst die Araber, später die Türken eine Monopolstellung in Sachen Kaffeeanbau und Kaffeehandel.

 

Die Kaffeesorten

Vierzig verschiedenen Kaffeesorten können unseren Gaumen verwöhnen. Allerdings lässt sich das Angebot in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem auf die Sorten Arabica (coffea arabica) und Rostusta (coffea robusta) beschränken.

Der Weltmarktanteil des Arabica-Kaffees liegt bei etwa 60 % der Kaffeeproduktion.

Ihren guten Namen hat sich die Kaffeebohne insbesondere durch ihr besonderes Aroma gemacht. Arabica Kaffee enthält nur halb so viel Koffein wie die Robusta-Bohne.

Der Marktanteil des Robusta liegt bei etwa 36 Prozent.

Geschätzt wird der Robusta von den Farmern aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit und der kürzeren Reifezeit. Die Bohne des Robusta unterscheidet sich optisch durch einen gerade verlaufenden Einschnitt im Vergleich zu einem gewellten bei der Arabica Bohne.

Die Sorte Excelsa wurde 1904 am Tschadsee entdeckt und gilt als Rarität. Insbesondere ihre Fähigkeit, sich auf sehr trockenem Boden prächtig zu entwickeln gilt als besonderes Merkmal. Selbst in regenarmen Jahren kann sich die Kaffeeernte der Excelsia sehen lassen.

Außerdem hat sie den kräftigsten Wuchs aller Bohnensorten. Trotz der vielen Vortele liegt der Anteil der Excelsa an der Weltproduktion nur bei einem Prozent.

Eine äußerst kleinblättrige Kaffeepflanze ist die Stenophylla, die in Westafrika (Sierra Leone und Guinea) in bis zu 700 Metern Seehöhe angebaut wird. Aus Sierra Leone wird aus den großen runden Bohnen der Stenophylla der bekannte „Highland Coffee“ gemacht. Bei der Reifung werden die Früchte ganz schwarz.

Der indonesische Kopi Luwa ist die seltenste und teuerste Kaffeesorte weltweit.

Das Besondere an ihr ist die „Herstellung“: Schleichkatzen naschen die Kaffeekirschen. Die wieder ausgeschiedenen Bohnen verändern ihren Geschmack durch die Fermentation im Darm der Katzen und verleihen ihnen durch diese „Veredelung“ ein einzigartiges Aroma.

 

Und noch eine Anekdote zum Schluss

In der DDR war Röstkaffee mehr als nur Luxus – er war absolut unerschwinglich! Die Parteiführung entwickelte eine Art „Kaffeeersatz“, der sich aus einem Mix aus Kaffee, Getreide, Zuckerrüben und Erbsen zusammensetzte.

Was für eine Mischung! Den Bürgern schmeckte dieses seltsame Gebräu jedenfalls nicht. Sie verspotteten diesen „Kaffee“ in Anlehnung an „Jacobs Krönung“ als „Erichs Dröhung“. Heute unterliegt der Kaffee, ähnlich wie das Bier, einer Art Reinheitsgebot. Wo Kaffee draufsteht, muss auch Kaffee drin sein.

Der Kaffee hat über mehrere Jahrhunderte hinweg eine außergewöhnliche Entwicklung genommen, der die moderne Welt bis heute sehr dankbar ist. Oder können Sie sich tatsächlich einen Tag ohne die Viefalt köstlicher Kaffeespezialitäten vorstellen – wohl kaum, oder?

Genießen Sie jetzt gleich eine köstliche Tasse Ihres Lieblingskaffees und lassen Sie noch einmal Revue passieren, welch langen Weg der Kaffee nehmen musste, um weltweit einen derartig unglaublichen Stellenwert in allen Bevölkerungsschichten einnehmen zu können und bis heute zu halten.

Können Sie sich an Ihre erste Erfahrung mit Kaffee erinnern? Schreiben Sie, Ihre Geschichten interessieren mich!

Machen Sie’s und: auf wiederlesen!

Signatur_Gian

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